Angst - warum daran nicht alles schlecht ist

''Zustand (state), gekennzeichnet durch Anspannung,
 Besorgtheit, Nervosität, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen...''

 

 

Hallo!

Ich bin Florian Schefenacker und Heilpraktiker für Psychotherapie in Augsburg.

Bevor ich gleich loslege, bitte ich die sich angesprochen fühlenden Personen um Verzeihung. Ich habe aufgrund besserer Lesbarkeit auf geschlechtliche Angleichungen wie /*in/*ix verzichtet.

 

Heute soll es hier im Blog um folgendes Thema gehen:

Angst – warum daran nicht alles schlecht ist

 

Wo man derzeit hinhorcht dreht es sich oft um diese Fragen: Wie wird das weitergehen? Kann ich meine Miete noch bezahlen? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wie soll ich arbeiten gehen, wenn ich mich zuhause um die Kinder kümmern muss? Kann ich meinen Lebensstandard halten? Werde ich auch erkranken? Bleiben meine Lieben gesund? Alles Fragen, die in einer nichtrepräsentativen Erhebung in meinem Freundes- und Bekanntenkreis erheblichen Raum einnehmen.

Fragen über Fragen. Alle davon sind notwendig, um in die Zukunft planen und arbeiten zu können. Deshalb wollen sie beantwortet werden. Aber im Grunde liegt unter all diesen Fragen eines: Angst.

Fritz Riemann beschreibt diese Form der Angst als „Die Angst vor der Wandlung, als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt; […]“[1] Sie ist eine seiner vier Grundformen der Angst. Sie macht den Widerspruch, zwischen dem Bedürfnis in die Zukunft zu planen und zu arbeiten und der ständigen Möglichkeit dass sich etwas Grundlegendes ändert, deutlich.

 

Eine mögliche  Definition von Angst liefern Asendorpf und Caspar. Sie schreiben über einen „ […] emot. Zustand (state), gekennzeichnet durch Anspannung, Besorgtheit, Nervosität, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen. […] bei klarem Bezug auf das A. auslösende Objekt wird auch von Furcht gesprochen. Physiol. Korrelat der A. ist eine erhöhte Aktivität des autonomen Nervensystems (Stress).“[2]

 


 

Angst_Vorteil

 

Angst ist also ein Erregungszustand, den man mehr oder weniger intensiv erleben kann. Für manche ist es Bauchweh und manche bekommen schweißnasse Hände. Andere können nicht einschlafen und die Gedanken kreisen um Probleme, von denen man nicht weiß, ob sie gelöst werden können.

Die große Mehrheit empfindet Angst heute als störend und unnötig. Aber eigentlich ist sie wohl mit ein Grund dafür, warum es uns noch gibt. Sie erhöht den Puls, den Blutdruck, Adrenalin wird ausgeschüttet und wir machen uns bereit für Flucht oder Kampf.

Angst ist also nicht nur nerviges Schwitzen und Bauchweh, oder Zittern. Sie ist eine Warn- und Schutzfunktion für uns. Sie sorgt dafür, dass wir Gefährliches meiden und uns nicht lebensgefährlichen Situationen aussetzen.[3] Betrachtet man die Angst als möglichen Lebensretter ist sie gar nicht mehr so verkehrt.

Aus der Arbeitswelt kennt man ähnliche Symptome. Sie erlauben noch etwas sehr Zentrales: Diese Vorgänge im Körper erlauben uns einen zeitlich begrenzten starken Fokus auf einen Umstand oder eine Tätigkeit zu legen. Wir können uns sehr gut konzentrieren. Voraussetzung ist, dass dies nur temporär und nicht dauerhaft geschieht. Bei Dauerhaftigkeit ist ein weiterer Begriff wert in den Ring geworfen zu werden: Stress.[4] Zum Thema Stress kommen wir aber noch in einem weiteren Blog.

 

Zurück zu unserem grundlegenden Angstthema: Nach allem jetzt geschriebenen ist Angst eine Empfindung, die uns schützen kann und die eine wichtige Daseinsberechtigung hat. Beziehen wir das wieder auf die aktuelle Situation, können wir in vielen Fällen wohl von Empfindungen der Existenzangst sprechen. Plötzlich ist also Angst wieder sinnvoll. Sie lässt uns Entscheidungen treffen, die wir ohne sie nicht träfen: Wir tragen Schutzmasken und überlegen uns sehr genau, ob wir den geplanten teuren Urlaub wirklich machen. Denn wir wissen nicht, ob wir ihn uns leisten können, oder ob er überhaupt wird stattfinden können. Aus Angst kann man also auch durchaus positiven Nutzen ziehen.

Neben dem möglichen Thema der Entscheidungsfindung lässt sie uns aber auch leistungsfähiger werden. Wie zuvor schon geschrieben, werden durch Angst eine ganze Menge Hormone – neben Adrenalin – freigesetzt. Sie erzeugen Erregung und wir können leistungsfähiger und ausdauernder sein. Sie kann damit auch Motivator und Antreiber für uns sein.

Großartig, oder? Wir haben Angst und schon läuft alles wie von selbst. Das Höher, Schneller und Weiter scheint folglich kein Problem mehr zu sein. Wenn man nur etwas Angst hat.

 

Ganz so einfach ist es dann aber leider doch nicht. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen. In dem Band „Asterix und die Normannen“ verhält es sich so, dass die Normannen keine Angst haben. Sie erwarten sich aber durch Angst fliegen zu können. Um Angst zu erlernen suchen sie – sagen wir Hilfe – in Gallien. Dank dem schön schrecklichen Gesang des Barden erfahren sie was Angst ist und springen mit den Armen flatternd von einer Klippe, in der Überzeugung fliegen zu können.[5]

Treffend ist, dass die Leistungsfähigkeit durch die Angst steigt. Sie gehen davon aus fliegen zu können. Gerät man aber in Panik – das war in dem Comic, nach besagtem Gesang durch den Barden, der Fall – wirkt sich die Erregung negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Die Normannen können nur nutzlos wild mit den Armen flattern. Sie haben zwar eine verbesserte Durchblutung in den Extremitäten, die Herzfrequenz steigt und sie trauen sich den Flug zu. Leider ist durch die Panik auch der Fokus eingeschränkt. Also geht es ab über die Klippe. Wo das Fliegen vielleicht sinnvoller Weise erstmal im Kleinen hätte probiert werden können.

Es gilt also das richtige Maß an Angst bezüglich eines Umstandes abzupassen, um tatsächlich Nutzen daraus ziehen zu können. Um das herauszufinden muss das Bauchgefühl befragt werden. Es gibt keine Formel.

 

Bezogen auf den Ursprung des Artikels, bedeutet das, dass wir häufig wissen was zu tun ist. Denn unsere Ängste und zugehörige anstrengenden Fragen plagen uns oftmals solange, bis wir aktiv werden. Oft genügen bei oben genannten Fragestellungen das Analysieren und Entschlüsseln der Angst. Das liefert häufig Ansatzpunkte zur Lösung. Diese dann möglicherweise entstehenden Optionen sind es wert überprüft zu werden (blindlings von der Klippe springen ist möglicherweise nicht zielführend).

Mögliche Lösungen sind schließlich nicht immer leicht umsetzbar und auch nicht immer kontrollierbar, wenn man zu blind und ungestüm in vermeintliche Lösungen stürzt (ich erinnere an die in die Lösung stürzenden Normannen).[6]

 

Also, keine Angst vor der Angst. Sie kann uns nicht nur lähmen, sondern auch zur Änderung motivieren, beflügeln und uns Optionen erkennen lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir sie nicht nur als negativ abtun, sondern die Frage zulassen, was sie uns sagen möchte und was wir benötigen, dass sie sinnvoll verschwindet und ihr nicht nur ausweichen oder sie unterdrücken. Dann sollten wir die erkannten Möglichkeiten noch auf Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit überprüfen, ein Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin – vorausgesetzt die person ist ehrlich zu einem und redet nicht nur nach dem Schnabel – kann Wunder wirken.

 

Nun trifft das leider nicht auf alle Ängste zu. Bei gerichteten Ängsten auf bestimmte Situationen, Objekte oder auch Tiere oder Menschen, frei flottierenden Ängsten, Panikattacken, oder Mischformen verhält es sich anders.

Auch Ängste die Aufgrund von Traumata entstanden sind, sollten anders betrachtet werden. Hier ist Therapie ratenswert. Sie wird im Regelfall nicht einfach durch das Gespräch mit Freunden verschwinden. Wenn doch: Glückwunsch! Daumen hoch!

 

Aber Ängste, die als sinnvoll wahrgenommen werden können, einen nicht ständig umtreiben und keinen Krankheitswert besitzen, oder gar Panik auslösen lohnen es allemal nach dem Warum gefragt zu werden und ob man sie und ihre Energie nicht mal für sich nutzen kann.

Ist dies nicht mehr der Fall können psychologische Berater, Heilpraktiker für Psychotherapie, psychologische Psychotherapeuten oder auch ihr Hausarzt eine hilfreiche Anlaufstelle sein. Manchmal genügt aber auch schon ein entlastendes Gespräch mit einem guten Vertrauten.

 

Seien Sie gut zu sich und bleiben Sie in jeder Hinsicht gesund!

 

 

   

Herzlichst

Florian Schefenacker

 


[1] Riemann, F. (1961): Grundformen der Angst; Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München (S. 17)

[2] https://m.portal.hogrefe.com/dorsch/angst-1/ [Zugriff: 17.04.2020 11:34]

[3] Vgl. https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/angst/641 [Zugriff 26.04.2020 11:30]

[4] Vgl. Zimbardo, P. / Gerrig, R. (2004): Psychologie 16., aktualisierte Auflage; Pearson Studium; München (S. 562)

[5] Vgl. Goscinny, R. / Uderzo, A. (1994): Großer Asterix-Band IX Asterix und die Normannen; Delta Verlagsgesellschaft mbh, Stuttgart

[6] Vgl. Schäfer, A. (2019): Mut zur Angst, in Psychologie Heute, November 2019, Heft 11, 46. Jahrgang; Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim

 

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