Was ist Psychotherapie

''Aufhänger war eine Äußerung, die ich vor Jahren mal hörte und die mir – warum auch immer – wieder in den Sinn kam: „Psychotherapie? Ist doch nur was für Verrückte!“
Hm, nein. Räumen wir also kurz mit dieser Aussage statistisch auf und klären dann was Psychotherapie eigentlich ist.''

 

 

Allein 2015 entfielen nach dem statistischen Bundesamt 44,4 Milliarden Euro, das sind 13,1 % der gesamten Krankheitskosten, auf psychische Störungen. Das ist Platz 2 hinter Herz- und Kreislauferkrankungen. [1] Es wurde, um im Bild zu bleiben, sehr viel Geld für Verrückte ausgegeben. Rechnet man das in Personen um, so spricht eine andere Quelle im Jahr  2015 von 27,7 Prozent aller in Deutschland lebenden erwachsenen Personen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind.[2] Das ist jeder vierte Erwachsene, oder grob 18,5 Millionen Menschen! Insgesamt wird davon ausgegangen, dass rund 42 Prozent der Menschen, im Laufe ihres Lebens, in Deutschland an einer psychischen Störung erkranken.[3] Bei aktuell 83,1 Millionen Einwohnern in Deutschland[4] sind das 34,9 Millionen Menschen allein in Deutschland, die im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Störung erkranken

 

Jeder Zweite bis Dritte der Menschen, die von Verrückten und ausschließlich deren Bedarf nach Psychotherapie sprechen, werden im Laufe ihres Lebens selbst zu den Verrückten gehören. Nach diesen Zahlen sind psychische Störungen also überall in der Gesellschaft vertreten. Häufig ist uns das nicht bekannt, man sieht es Menschen ja im Gegensatz zum gebrochenen Unterschenkel nicht am Gips an.

Ich finde einen diskreten Umgang aber auch verständlich, schließlich ist dieses Thema sehr intim und häufig stark schambesetzt. Man ist ja schließlich eben nicht verrückt.

 


Um psychischen Störungen professionell begegnen und sie behandeln zu können bedarf es oftmals der Psychotherapie und manchmal auch einer medikamentösen Behandlung, der Psychopharmakotherapie.

 


 Doch, was ist eigentlich Psychotherapie?
Nach Zimbardo und Gerrig ist Psychotherapie „Jede Therapieform aus einer Gruppe von Therapien, die zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt werden und sich auf Veränderungen fehlangepassten Verhaltens und Denkens, fehlangepasster Wahrnehmungen und Emotionen konzentrieren, die mit der spezifischen Störung im Zusammenhang stehen.“[5]


Ja, äh danke? Bisschen sperrig, oder?
Ja, bisschen sperrig.
Also, es geht in der Psychotherapie um die Behandlung von Emotionen, Verhalten, Denken, Wahrnehmung und Fühlen. Allerdings nur dann, wenn diese fehlangepasst sind. Fehlangepasst möchte hier einfach nur sagen, dass sie von der Norm abweichen und zu einem nicht normalen Funktionieren des Alltags beitragen, ja diesen vielleicht sogar erschweren oder behindern. Der Zusatz „ […] mit der spezifischen Störung im Zusammenhang stehen.“ ist deshalb wichtig, da man für eine Therapie eine Krankheit braucht. Ohne Krankheit keine Therapie. Eine Krankheit im psychischen Umfeld wird als „Störung“ bezeichnet. Psychische Störung ist einfach nicht so negativ konnotiert wie Geisteskrankheit. Dafür wird wiederum eine Diagnose benötigt.
Lieb, Frauenknecht und Brunnhuber sprechen in diesem Zusammenhang noch davon, dass „[…] Interventionen […] dabei bewusst, geplant und gezielt eingesetzt.“[6] werden. Sprich, in der Therapie wird möglichst wenig Zufall zugelassen. Die „Interventionen“, also die Anstöße die der Therapeut vornimmt um Änderungen hervorzurufen, passieren nicht einfach so. Sie passieren weil sich der Therapeut ausgebildet ist und sich Gedanken macht, was helfen kann und wie er Besserung herbeiführen kann.
Diese Interventionen hängen von der Therapiemethode ab, nach der sich der Therapeut richtet. Aber auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen im Hinblick auf die Wirksamkeit verschiedener Methoden und Interventionen.
Vielleicht haben Sie schon einmal was von kognitiver Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse gehört. Genau das sind Therapiemethoden die genutzt werden (zu Therapiemethoden wird noch ein gesonderter Beitrag folgen).

Kurzes Zwischenfazit:
Psychotherapie ist also kurz gesagt die Behandlung von psychischen Störungen mit dafür geeigneten Therapiemethoden.

Heißt das, dass jeder der zum Therapeuten rennt auch eine Störung hat?
Nö. Könnte man annehmen, ist aber nicht so. Zum Glück!
Sehr viele Menschen kommen einfach mit einer Situation nicht zurecht. Zum Beispiel bei Trauer, Abschied, Arbeitsplatzverlust, Übergang ins Rentenalter, Midlifecrisis, Verletzung, Erkrankung, Liebeskummer, Problemen eines Angehörigen, … die Liste ist endlos.
In einem solchen Zusammenhang ist die Rede von psychologischer Beratung. Die Abgrenzung zur Psychotherapie ist also der Umstand, dass bei Personen, die in die Beratung kommen das bearbeitete Thema nicht die psychische Störung ist, sondern etwas Anderes. Der Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie wird im nächsten Blog dargestellt.
In einem solchen Kontext wird dann dieser Umstand aufgearbeitet, oder auch begleitet. Häufig wird damit präventiv dafür gesorgt, dass es nicht zur Bildung einer psychischen Störung kommt. Also eine sehr wichtige Sache und großartig, wenn jemand für sich hier Bedarf erkennt!

Haben Sie also keine Scham zu einem psychologischen Psychotherapeuten, Psychiater, Heilpraktiker für Psychotherapie oder zu einem psychologischen Berater zu gehen, wenn es Ihnen schlecht geht.
Wenn Ihnen das noch unangenehm ist, sprechen Sie mit ihrem Hausarzt oder wenden Sie sich beispielsweise ans Sorgentelefon.
Das bewahrt vor größerem Schaden und zeigt keine Schwäche. Sie zeigen damit vielmehr eine Stärke. Sie zeigen, dass Sie wissen wann es genug ist und was Sie brauchen um gesund zu bleiben. Wenn es an der ein oder anderen Stelle mal Unterstützung ist, die man benötigt: Na und?

Seien Sie gut zu sich und bleiben Sie in jeder Hinsicht gesund!

 

   

Herzlichst

Florian Schefenacker

 


[1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/09/PD17_347_236.html [Zugriff 10.04.2020 15:40]

[2] https://www.thieme.de/de/psychiatrie-psychotherapie-psychosomatik/psychisch-kranke-menschen-deutschland-92051.htm [Zugriff 10.04.2020 15:53]

[3] Lieb, K. / Frauenknecht, S. / Brunnhuber, S. (2016): Intensivkurs Psychiatrie und Psychotheerapie, 8. Auflage; Elsevier GmbH München (S. 3)

[4] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html [Zugriff: 14.04.2020 11:41]

[5] Zimbardo, P. / Gerrig, R. (2004): Psychologie 16., aktualisierte Auflage; Pearson Education Deutschland GmbH, München (S. 705)

[6] Lieb, K. / Frauenknecht, S. / Brunnhuber, S. (2016): Intensivkurs Psychiatrie und Psychotheerapie, 8. Auflage; Elsevier GmbH München (S. 91)

 

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