Therapeut gesucht – Therapeut gefunden (Part 3)

''Heilpraktiker für Psychotherapie, Coaches und sinnvolle Therapie-Alternativen''

 

Im zweiten Artikel dieser Reihe haben wir die aktuellen Therapeutenlage in Deutschland beleuchtet. Nicole und Florian konnten anhand aktueller Zahlen zeigen, dass diese Lage im wahrsten Sinne des Wortes mehr als „schräg“ ist. Konkret stehen 27.000 Therapeuten über 23 Millionen Menschen mit psychischen Erkrankungen gegenüber. Und wenn sich jeder der Betroffenen tatsächlich an einen ambulanten Psychotherapeuten wenden würde, kämen auf jeden dieser Therapeuten pro Jahr ca. 630 Patienten. Zudem sprachen wir über die Therapeutensituation während der aktuellen Corona-Krise. Hierbei haben wir die Möglichkeit aufgezeigt, neben kassenärztlichen Behandlungen mit oft langen Wartezeiten, auch psychologische Psychotherapeuten oder Heilpraktiker für Psychotherapie aufzusuchen.

Im Folgenden zeigen wir zusätzliche Möglichkeiten auf, wenn Unterstützung, aber keine Therapie benötigt wird.

 

 

Marcus Rübbe (im Folgenden Marcus): So wie ich euch verstanden habe, liegt die Gemeinsamkeit von Heilpraktikern für Psychotherapie und psychologischen Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung in der Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen. Zu wem sollte ich denn jetzt gehen, wenn ich es mir selbst aussuchen kann?

Florian Schefenacker (im Folgenden Florian): Für mich gibt es beim Heilpraktiker für Psychotherapie drei Vorteile, die herausstechen: 1., wir haben die freie Methodenwahl. 2., wenn keine Krankenkasse die Kosten trägt, ergehen auch keine persönlichen Informationen über meine aktuelle Lage an die Kassen und ganz wichtig 3., bei uns sind oft recht kurzfristig Termine zu bekommen.

Marcus: Bei der Vorbereitung zu unserem Interview habe ich gelesen, dass Erstgespräche binnen 6 Wochen möglich sind. Heißt kurzfristig bei euch schneller?

Florian: Wichtig ist hier nicht nur das Erstgespräch, sondern der Therapiebeginn nach Richtlinien. Und der ist nach dieser Studie zirka 5 Monate nach Anfrage. Nach der eigenen Bewertung Bundes Psychotherapeutenkammer aus dieser Studie ist das zu lange[1]. Wir können deutlich unter dieser Zeit bleiben. Wir sprechen hier von einem Therapiebeginn innerhalb weniger Wochen. Allerdings habe ich dazu leider keine Studie parat und kann nur aus eigener Erfahrung sprechen.

Marcus: Was ist nun mit den Krankenkassen und der Informationsweitergabe?

Florian: Da wir als Heilpraktiker für Psychotherapie mit Masse nicht in die kassenärztliche Versorgung eingebunden sind, sind wir außer bei der Kostenübernahme durch eine Krankenkasse nicht verpflichtet eine Diagnose weiterzugeben. Mir gefällt der Gedanke, dass eine Diagnose bei mir und meinem Behandler bleibt und nicht noch an Dritte weitergegeben wird.

Marcus: Was ist mit der freien Methodenwahl gemeint?

Florian: Die Therapiemethode ist sozusagen die Schule, nach der man eine Störung behandelt. Wird man von einem Therapeuten behandelt, der mit der Krankenkasse abrechnet, so stehen dafür nur – ich meine drei Therapiemethoden - zur Verfügung, nämliche die Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie[2]. Da es aber noch viele Therapierichtungen mehr gibt, ist man hier in Deutschland da sehr beschränkt. In Österreich sind beispielsweise deutlich mehr Methoden von den Krankenkassen zugelassen. Wir Heilpraktiker für Psychotherapie können im Gegensatz dazu aus dem Vollen schöpfen. Ich nutze beispielsweise die Kognitive Verhaltenstherapie und arbeite integrativ mit der Transaktionsanalyse. Das heißt für den Hilfesuchenden, dass er oder sie so die Möglichkeit erhält eine Methode und den passenden Behandler zu finden, mit denen man sich wohl fühlt. Schließlich entscheidet über das Gelingen einer Therapie auch die Therapeuten-Klienten-Beziehung und wenn diese von Vertrauen und Sympathie geprägt ist, so ist die Wahrscheinlichkeit Linderung zu erfahren, deutlich größer.[3]

Marcus: Das leuchtet ein. Gibt es noch weitere Aspekte, die eine Therapie bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie, von der bei einem psychologischen Psychotherapeuten unterscheiden?

Nicole Horstmann (im Folgenden Nicole): Ja, und zwar die Flexibilität des Klienten bezüglich der Dauer der Therapie. Zum Beispiel werden bei einer Verhaltenstherapie, die von der Krankenkasse übernommen wird, zunächst maximal 60 Stunden bewilligt. Die Beantragung einer Verlängerung bzw. Fortsetzung auf insgesamt höchstens 80 Stunden ist möglich. Wählt man eine Therapie bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie, so stimmt man mit diesem die Anzahl der Stunden bzw. Sitzungen nach Bedarf ab.

Marcus: Welche Konsequenz hat das für den Klienten?

Nicole: Nun ja, wenn der Klient die Therapie selbst bezahlt, möchte dieser aus wirtschaftlichen Gründen häufig in absehbarer Zeit/ zeitnah zum Ziel kommen. Dennoch kann er bzw. sie sich im Bedarfsfall sicher sein, so viele Termine zu bekommen, wie eben notwendig und gewünscht sind. Wobei ein seriöser Therapeut seine Klienten nicht länger behandelt, als therapeutisch notwendig, sondern dafür Sorge trägt, dass dieser möglichst zügig sein Ziel erreicht.

Marcus: Welche weiteren Besonderheiten rund um die Terminvereinbarung und Sitzungsgestaltung gibt es?

Nicole: Zum einen weicht die Sitzungsdauer bei vielen Heilpraktikern für Psychotherapie von der 50-Minuten-Dauer ab, die eine reguläre Vorgabe der kassenfinanzierten Therapien ist. D.h. es gibt Heilpraktiker für Psychotherapie, die z.B. 60- oder 90- minütige Sitzungen anbieten oder auch eine ganz andere Dauer für ihre Sitzungen auswählen. Zum anderen bieten einige KollegInnen auch Termine früh morgens, spät abends oder am Wochenende an. Dies bietet einigen Klienten etwas mehr Spielraum in der Termingestaltung.

Marcus: Ich halte mal Folgendes fest: Sowohl die psychologischen Psychotherapeuten als auch die Heilpraktiker für Psychotherapie beschäftigen sich mit der Diagnostik und Therapie von Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung vorliegt. Einige psychologische Psychotherapeuten haben eine Kassenzulassung, so dass man bei ihnen eine Therapie machen kann, die von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. Möchte man nicht so lange warten, bis der eigene Antrag von der Versicherung bewilligt ist oder wird er eventuell sogar abgelehnt, kann ich sowohl bei einigen psychologischen Psychotherapeuten als auch bei den Heilpraktikern für Psychotherapie eine Therapie auf eigene Kosten machen. Wie sieht es denn aus, wenn ich beispielsweise Unterstützung bei privaten oder beruflichen Themen haben möchte und gar keine Therapie brauche?

Florian: In diesem Fall wäre z.B. eine psychologische Beratung oder ein Coaching möglich. Die psychologische Beratung kommt z.B. bei belastenden privaten Lebenssituationen, partnerschaftlichen oder beruflichen Problemen zum Einsatz. Oft geht es um die Überwindung von Konflikten und Krisen. Ganz wichtig aber: Es liegt keine psychische Erkrankung vor! Ist dies der Fall, sind wir wieder im Bereich der Psychotherapie.

Marcus: Ok, vom Coaching habe ich eine Idee, aber wie genau arbeitet denn ein psychologischer Berater bzw. wie kann ich mir eine psychologische Beratung vorstellen?

Florian: Die Beratung dient „neben der Vermittlung von Informationen der Verbesserung der Selbststeuerung und dem Aufbau von Handlungskompetenzen, der Orientierung und Entscheidungshilfe, der Hilfe bei der Bewältigung von Krisen.“ [4] Es geht darum, dass der Berater einem hilft, sich selbst zu helfen. Ein psychologischer Berater löst einem also keine Probleme mit dem gemeinen Chef und er sagt einem auch nicht wie man sich nach der Trennung zu verhalten hat.

Marcus: Kleine Fangfrage meinerseits, heißt das also ich bekomme keinen konkreten Ausweg oder eine konkrete Lösung genannt?

Nicole: Nein, denn es gibt etwas Besseres. Es wird dahingehend gearbeitet, dass man sein Problem selbst lösen kann. Dadurch erfährt man gleichzeitig auch eine Steigerung des Selbstwertes, da man sich selbst als fähig und kompetent und in der Lage zu Handeln wahrnimmt. So entwickelt also der Klient die Lösung, um mit seinem gemeinen Chef klar zu kommen. In der Beratung erhält man die wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe.

Marcus: Das erinnert mich vom Ansatz und der Haltung stark an mein Business, das professionelle Coachings, in dem ich tätig bin.

Nicole: Inwiefern, wie ist das denn bei „euch“ Business Coaches?

Marcus: Ähnlich wie ich euch verstanden habe, ist Business Coaching auch nach unserem Verständnis ein ergebnis- und lösungsorientierter Lernprozess. Also das Ziel ist die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und individuelle, beruflich-private Anliegen zu realisieren. Daher stehen wir unseren Coachees als Prozessbegleiter und Auslöser von individuellen Veränderungen und persönlicher Weiterentwicklung zur Verfügung.

Florian: Wie sieht das konkret aus?

Marcus: Wir ermöglichen bei unseren Coachees das Erkennen von Problemursachen und regen an, eigene Lösungen zu entwickeln. Dadurch ermächtigen wir unsere Coachees dazu, Herausforderungen eigenständig zu meistern und zielführende Verhaltensweisen sowie Einstellungen zu etablieren. Dies bedeutet, dass die eigentliche Veränderungs- und Entwicklungsarbeit vom Coachee selbst geleistet wird.

Florian: Gibt es aus deiner Sicht Voraussetzungen, die ein Coachee mitbringen sollte?

Marcus: Klar, entscheidend für den Erfolg eines Coachings ist, dass der Coachee bereit und offen dafür ist, eigene Denkprozesse und Verhaltensmuster zu hinterfragen und sich mit seiner eigenen Person und Situation selbstkritisch auseinanderzusetzen, um die gewünschten Ziele und Ergebnisse zu erreichen.

Nicole: Wenn ich das jetzt mal versuche zusammenzufassen, dann ähneln sich die psychologische Beratung und das Coaching darin, dass sie für die Klienten bzw. Coachees eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe" bei der Suche nach Problemlösungen bieten. In beiden Bereichen geht es zudem um die Förderung der Lösungskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung.

Marcus: Da stimme ich dir zu. Und schön, das ihr den Interview-Spieß jetzt umgedreht habt. Aber ich finde es gerade mega spannend von euch befragt zu werden, denn wir haben unheimlich viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede in unseren Berufen.

Florian: Wo siehst du eventuell Unterschiede zwischen der psychologischen Beratung und dem Coaching?

Marcus: Zunächst einmal ist das Coaching ja eine spezielle Form der Beratung, jedoch mehr mit dem Schwerpunkt der Prozessbegleitung. Als Coach bin ich weniger ein Fachberater in speziellen Themengebieten. Stattdessen ist der Coachee der Experte für sein Anliegen. Ich unterstütze, indem ich den Prozess strukturiere und dabei helfe, zu einer Lösung zu gelangen. Wohingehend ich bei der psychologischen Beratung verstärkter eine Begleitung mit psychologisch fundiertem Wissen sehe, welches der Berater einsetzt, um mit dem Klienten gemeinsam eine Lösung zu finden.

Florian: Du sagtest, dass der Coachee der Experte für sein Anliegen ist. Mit welchen Anliegen kommen die Menschen ins Coaching?

Marcus: Die Anliegen meiner Coachees sind überwiegend aus dem beruflichen Bereich, was sicherlich auch daran liegt, dass ich mich auf diesen Bereich spezialisiert habe. Häufig arbeite ich mit Führungskäften in Unternehmen zusammen, wo es oft um die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern geht. Mittlwereile gibt es allerdings sehr viele Arten von Coaching. Sport-Coaching, Finanz-Coaching, Karriere-Coaching, Gesundheits-Coaching, usw. Am häufigsten verbreitet ist das Business-Coaching. Dadurch verbinden viele Menschen Coaching auch eher mit dem beruflichen Bereich.

Nicole: Das erlebe ich ähnlich, dass Coaching eher im beruflichen Kontext eingesetzt wird. Wo siehst du eventuell Grenzen des Coachings und der psychologischen Beratung?

Marcus: Die Grenzen sehe ich in beiden Bereichen ganz klar dort, wo eine psychische Erkrankung vorliegt. Coaching und psychologische Beratung sind keine Psychotherapie und können diese auch nicht ersetzen. Das heißt, wir diagnostizieren, behandeln und therapieren nicht. Vielmehr ist es notwendig, dem Klienten oder Coachee im Falle einer psychischen Erkrankung den Weg zum Arzt, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker für Psychotherapie zu empfehlen.

 

 

Sollten Fragen auftauchen, dürfen Sie sich gerne an uns wenden.

 


NICOLE HORSTMANN

Therapeut gesucht – Nicole

Nicole Horstmann, Jahrgang 1982, studierte Germanistik und Sozialwissenschaften für das Lehramt, hat nach ihrem ersten Staatsexamen eine Ausbildung zur Versicherungsfachfrau absolviert und schaut nunmehr auf neun Berufsjahre in Beratung und Vertrieb zurück. Seit ihrer Ausbildung zur zertifizierten psychologischen Beraterin und Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, unterstützt sie Menschen in herausfordernden Lebenslagen in eigener Praxis in München.

www.praxis-horstmann-muenchen.de

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An der Hauptfeuerwache 4

80331 München

Tel.: 0179 / 43 36 100

   


FLORIAN SCHEFENACKER

Therapeut gesucht – Florian

Florian Schefenacker kam 1986 zur Welt und studierte Bildungs- und Erziehungswissenschaften mit den Schwerpunkten Erwachsenenbildung und Beratungspsychologie während seiner Dienstzeit als Offizier bei der Bundeswehr. Nach seinem Studium war er, bis zu seinem Verlassen der Bundeswehr im Jahr 2018, stets mit Führungsaufgaben betraut und dauerhaft im Bereich der Aus- und Weiterbildung tätig. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zum psychologischen Berater und bestandener Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie gründete er seine eigene Praxis in Augsburg. Dort unterstützt er seitdem Menschen, die sich vor Herausforderungen und in unangenehmen Lebensabschnitten sehen.

www.praxis-schefenacker.de

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Oberschönenfelder Straße 25

86199 Augsburg

Tel.: 0160 / 955 44 370


MARCUS RÜBBE

Marcus Rübbe, Jahrgang 1977, ist selbstständiger Unternehmer. Als professioneller Business Coach, Moderator und Organisationsentwickler führt er seit über 10 Jahren Einzelpersonen, Teams und ihre Führungskräfte in Unternehmen durch Entwicklungs- und Veränderungsprozesse.
www.kaos-coaching.de

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Landwehrstraße 35

80336 München

Tel.: 0176 / 231 656 30


[1] BPtK (2018): Studie: Ein Jahr nach der Reform der Psychotherapie-Richtlinie; Wartezeiten 2018; Berlin

[2] https://www.aok.de/pk/bayern/inhalt/ambulante-psychotherapie-1/ [Zugriff: 13.06.2020 10:35]

[3] https://www.klaus-grawe-institut.ch/blog/die-therapeutische-beziehung-als-zentraler-wirkfaktor-der-psychotherapie/ [Zugriff: 13.06.2020 11:04]

[4] Nußbeck, S. (2006): Einführung in die Beratungspsychologie; Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München (S. 21)

 

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